Veganismus — der sichere Weg zu einem kaputten Körper

Wir schreiben das Jahr 2020. Die Menschheit ist geplagt vom Coronavirus. Der Planet Erde versinkt im Chaos:

Die Europäer begutachten lachend aus sicherer Distanz den selbstverschuldeten Untergang der USA. Immer mehr Arten gesellen sich zum Schicksal der Dinosaurier. Der Klimakollaps bringt Trockenheit, Dürren, Überschwemmungen, Unwetter und überlastete Klimaanlagen.

Zwischendrin: Ein paar unermüdliche Kämpfer, die sich für Tierwohl, gesundes Leben und einen nachhaltigen Planeten einsetzen.

Sie nennen sich Veganer, kontroverse Aktivisten in einer modernen Zeit.

Moderne Trends für moderne Probleme

Veganismus ist in aller Munde. Tausende Videos auf YouTube, zig Blogs und Insta-Influencer beschäftigen sich damit. Man kann sich kaum auf soziale Medien wagen, ohne mit den neuesten veganen Süßigkeiten bombardiert zu werden. Immer mit der gleichen Parole:

Führe ein gesundes Leben mit veganer Ernährung

Das lässt bei mir nicht nur eine Augenbraue krümmen. Hoch und heilig wird erzählt, wie gesund eine vegane Ernährung ist. Dabei kommen Veganer oft von einer Ernährung, die typisch ist für westliche Gesellschaften: Pommes, Burger, Pizza, Donuts, Süßgebäck, Hauptsache frittiert — tagein, tagaus.

Nun essen Veganer statt der Variation fettig-süßen Glückseligkeiten tonnenweise Gemüse, Salate, Pilze, Obst und was noch alles als nicht tierisch deklariert wird. Welch Wunder, diese Menschen nehmen ab, fühlen sich so viel besser. Sie haben ein neues Lebensgefühl, nur durch den Veganismus. Er ist ihr Retter, ihr Heilsbringer. Zack, so entstehen neue Religionen.

Beispiel-Veganer sind keine Vorbilder

“Aber Niklas, was ist denn mit füge veganen Athleten deiner Wahl ein?! Der ist doch super gesund, und so athletisch” schmacht

Mal abgesehen davon, dass jemand in jungen Jahren gesund aussieht, heißt das noch lange nicht, dass jemand auch gesund isst. Mit der richtigen Essenskomposotion, unterkalorischer Ernährung und Krafttraining kann jeder mit ausreichend Motivation stark oder athletisch aussehen, vollkommen unabhängig von Tierprodukten. Zudem würde ich jede Wette abschließen, dass professionelle Sportler eine durchgeplante Ernährung haben und regelmäßig Blutbilder bekommen, mit denen schnell klar wird, was individuell geht und was nicht.

Blöd nur, dass das 99,9% der Veganer nicht machen. Fast jeder scheut den Aufwand und die Mühe der periodischen Kontrolle des Körpers. Denn das ist nervig, zeitaufwendig und teuer. Vegane Athleten sind somit nicht repräsentativ für das Gros der Bevölkerung.

Bleibt folglich nur, sich nach eigenem Gutdünken oder mit einer unpräzisen App einen Plan zurechtzubasteln. Aber seien wir ehrlich. Selbst das machen die wenigsten. Denn auch das ist zeitaufwendig und unbequem.

Übrig bleiben die Menschen, die nur Positives im Sinn haben. Ich bin mir sicher, dass sich kaum ein Veganer denkt: “Heute fucke ich meinen Körper ab”. Nur ist es leider allzu oft das Ergebnis nach vielen Jahren der Hingabe, in denen die Mikronährstoffspeicher verarmen und ein körperliches Wrack zurückbleibt.

Lindy lässt grüßen

Eine vollständig pflanzliche Ernährung ohne jegliche tierische Bestandteile ist eine moderne Erfindung, die bislang keine dauerhafte Belastungsprobe überstanden hat. Jäger und Sammler, also unsere Vorfahren bevor wir sesshaft wurden, haben sich von dem ernährt, was die Natur ihnen gebracht hat: Sie mussten Tiere jagen, Wurzeln ausbuddeln, Beeren sammeln, Obst von Bäumen pflücken und Fische fangen. Jäger und Sammler lebten für mehr als 100.000 Jahre ein artgerechtes Leben im Einklang mit ihrer Natur. Sie sind die Blaupause für den Menschen, wie er auch heute noch lebt. Weil unser Körper recht träge ist und sich nur langsam an Neuerungen anpassen kann, hatte er noch keine Zeit, vollständig auf Pflanzen umzustellen. Anhand von indigenen Völkern, die praktisch immer gleich lebten, lässt sich heutzutage sehen, wie eine langfristig funktionierende Ernährungsweise auszusehen hat. Jetzt kommt der Clou: Es existiert nach heutigem Wissen keine einzige indigene Bevölkerungsgruppe, die vollständig ohne tierische Lebensmittel auskommt.

Eine vegane Ernährung hingegen ist jung. Sie hat nicht mehr als 100 Jahre auf dem Buckel und Langzeitstudien einer veganen Ernährung auf die Gesamtgesundheit von ganzen Bevölkerungsgruppen existieren nicht. Gleichzeitig scheint es nur Einzelpersonen zu geben, welche mit einer dauerhaft veganen Ernährung ohne signifikante Einbußen in der Gesundheit auszukommen scheinen.

Aus diesem Grund ist nicht klar, ob eine dauerhafte und nicht nur periodische pflanzliche Diät ohne Einschränkungen für die Allgemeinheit im Bereich des Möglichen ist.

Problem Nr. 1: Woher kommen die Nährstoffe?

Proteine werden allein aus Pflanzen, insbesondere Hülsenfrüchte bezogen. Deren Konsum ist in geringer Menge vertretbar, eine hohe Dosis bringt jedoch eine Menge Antinährstoffe mit sich. Ebenso gestaltet es sich mit Getreideprodukten, die erst seit wenigen Jahrtausenden auf der Speisekarte des Menschen stehen und die nur in geringer Dosis gesund sind. Gerade bei Gluten hat sich gezeigt, dass es ein teuflischer Stoff ist und keiner problemlos hohe Mengen an Gluten verzehren sollte.

Eine vegane Diät kann viele Nährstoffe nicht oder nur mit stark beschränkter Bioverfügbarkeit bereitstellen.

Darunter fallen:

Zink und Eisen
Kollagen
Glyzin und Taurin
Vitamin B12
Omega 3- und Omega-6-Fettsäuren

Das sind Nährstoffe, von denen wir nach aktuellem Forschungsstand wissen, dass es nicht möglich ist, sie rein über Pflanzen aufzunehmen oder die nur in geringer Dosis am benötigten Ort ankommen.

Eine vegane Diät benötigt somit eine sehr gute Planung und notwendigerweise eine regelmäßige Kontrolle des Blutbilds.

Problem Nr. 2: Verfügbarkeit von Mikronährstoffen

Eine vegane Ernährung ist nicht natürlich. Die Ergänzung von Mikronährstoffen ist zwangsläufig notwendig, denn der Körper kann nicht alle Nährstoffe aus Pflanzen beziehen.

Nährstoffe, welche in Fleisch wie auch Gemüse zu finden sind, unterscheiden sich zudem signifikant. Die Verfügbarkeit von Nährstoffen in tierischen Produkten ist um ein Vielfaches höher. Das heißt, dass von einer kleineren Menge ebensolcher Nährstoffe ein stärkerer Übergang in das Blut und schlussendlich das Gewebe zu erwarten ist. Der Verzehr von Leber ist hierfür ein wunderbares Beispiel. Wer ein ebenbürtiges Beispiel aus der Pflanzenwelt vorzuweisen hat, das Vitamin A (ein hormonähnlich wirkendes Vitamin) in derart rauen Mengen liefert, möge es mir bitte zeigen ;-)

Ein weiterer Faktor sind Nährstoffe, welche bereits vorsynthetisiert sind und die der Körper sofort verwerten kann. Eine fleischhaltige Ernährung bietet Stoffe, für welche einige Verarbeitungsschritte im Körper entfallen. Nährstoffe aus Pflanzen müssen teils erst synthetisiert werden, was aufwändig ist. Bei einer Einschränkung in der Synthese der Nährstoffe wegen individueller (Mal-)Adaption werden dadurch noch weniger Nährstoffe verarbeitet. Knorpelgewebe oder Gelatine ist beispielsweise ein Baustoff für Knochen und Gewebe in unserem Körper. Wenn der menschliche Körper nun von der Wahl steht, mit wenig Aufwand ein Produkt zu zerlegen und es sofort wieder an den richtigen Stellen einzubauen, dann wird er sich für den einfacheren Weg entscheiden und nicht die vollständige Maschinerie mit etlichen Verlusten anwerfen, um mit hohem Verlust etwas aus seinen Ursprungsstoffen zu erzeugen.

Das böse Fleisch

Wenn die Rede davon ist, dass Fleischkonsum mit höherer Wahrscheinlichkeit an Krebserkrankung, Diabetes oder Herzkreislauf-Krankheiten einhergeht, dann mag dies für hochverarbeitete Fleischprodukte wie Speck oder Würste bei gleichzeitig hohem Konsum zutreffen. Aber es ist keine Kausalität erkennbar, warum Fleisch an sich bei moderatem (!) Konsum so gefährlich sein soll. Da hilft auch keine Studie der WHO, die belegen soll, dass rotes Fleisch karzinogen ist.

Umgekehrt funktioniert die Argumentation auch nicht. Wenn sich jemand besser fühlt, weil er den Anteil an Gemüse und Obst in seiner Ernährung mit der Umstellung auf Veganismus drastisch erhöht, ist das vorbildlich. Keine Frage, Obst und Gemüse sind gesund und werden es immer bleiben. Schließlich sind Pflanzen bereits seit Anbeginn der Zeit Bestandteil in unserer Ernährung und sollten immer verzehrt werden. Die Kosten einer vollständig veganen Ernährungsweise zeigen sich allerdings erst später, wenn die Nährstoffspeicher verarmen: Keine Energie, Depressionen, schlechte Haut, schlechtes Inmmunsystem, Vergesslichkeit und zu guter Letzt eine fehlende Libido machen Menschen mit den besten Vorsätzen die Hölle heiß.

Extreme, immer nur Extreme

Wenn Veganismus eines kann, dann ist es, einen Teil der menschlichen Ernährung auf den gesamten Rest zu projezieren und daraus ein Allheilmittel zu machen. Zwischen den gefühlt hunderttausend veganen Insta-Bloggern, die ihre Rezepte (und vor allem ihre Rezeptbücher) bewerben, den ebenso vielen Blogs, die dir ein ach so gesundes Leben versprechen, tummeln sich zudem ausreichend Verrückte, die keinen Schimmer von Wissenschaft haben. Darunter leiden vor allem diejenigen, die doch nur ein gesünderes Leben führen möchten. Viele haben leider wenig Ahnung davon und es ist auch leicht, mit gezielter Studienauswahl unbedarfte Leser zu täuschen. Wenn ich will, kann ich mir auch ein paar Studien cherrypicken und schreiben, warum Veganismus so gesund ist. Aber genau so geht es nicht. Wer das durchführt, hat das große Ganze, die Meta-Ebene nicht verstanden.

Was auf der einen Seite natürlich Aufmerksamkeit, auch außerhalb der Filterblase, schafft, erzeugt genauso eine Gegenbewegung. Plötzlich ist eine karnivore Diät der heißeste Shit. Guter Plan, noch einen Teil der Nahrung auf das gesamte Leben projezieren und eine weitere Bewegung zu schaffen, die die andere Seite des Extrems ausreizt.

Aber die Massentierhaltung, den Kühen werde ihre Babys weggennommen, bla bla bla

Es gibt zwei verschiedene Dinge:

Was der Körper braucht
Welche Auswirkungen Fleisch auf die Umwelt und die Tiere hat

Es steht außer Frage, dass Massentierhaltung sowie Agrikultur in ihrer heutigen Form enorme Probleme mit sich bringen und weder zur eigenen Gesundhaltung noch für den Planeten beitragen. Allein die Hormone, die in der Massentierhaltung eingesetzt werden, sind hochgradig problematisch für den Körper. Zudem ist Fleisch aus Massentierhaltung nicht in besonders hochwertiger Zusammensetzung, was Mikronährstoffe angeht. Das Ergebnis ist billigstes Fleisch. Ein Produkt, das nur dazu gemacht ist, verkauft zu werden, ohne Blick auf die ethischen und moralischen Aspekte.

Ich unterstütze niemanden, billige Fleischprodukte zu konsumieren. Wir sollten zurück zur Verarbeitung des gesamten Tieres (Nose to tail), wie es unsere Vorfahren lange betrieben haben. Das Tier soll sein Leben lang glücklich sein — es soll auf der Wiese leben, mit seinen Artgenossen alle Freuden genießen und nur einen einzigen schlechten Tag haben: Wo es geschlachtet wird. Dazu leckeres Wildfleisch und nachhaltiger Fischfang. Das ist es, was ich unterstütze. Es ist auch vollkommen in Ordnung ab und zu vegane Tage zu haben. Aber bitte, bitte, macht das nicht auf Dauer. Es wird euch noch Leid tun.

The End

Allein die menschliche Hybris lässt uns auf die Idee kommen, dass wir unsere eigene Natur überlisten können. Seit Anbeginn des menschlichen Daseins sind wir geprägt darauf, sowohl Tiere zu jagen als auch Pflanzen zu pflücken und zu essen. Nie gab es ein entweder Fleisch oder Pflanzen und nie war es so leicht wie heute, jemanden davon zu überzeugen, dass ein derartig gelebtes Extrem vollkommen unproblematisch, nein, sogar gesund sei.

Der Witz an der Sache ist, dass Veganer die Natur selbst als Argumentationsgrundlage verwenden, um ihre Diät zu rechtfertigen. Gaaaanz schwieriges Terrain!

Wir sollten bei dem bleiben, was erprobt ist: Fleisch und Gemüse, Fisch und Algen — ein gesunder Mittelweg, eine artgerechte Ernährung. Sie halten den Körper langfristig gesund, anstatt die Vorräte des Körpers zu leeren.

Deshalb möchte ich dich, lieber Leser, bitten, deinen Veganismus zu überdenken. Abseits moralischer und ethischer Bedenken des Fleischkonsums ist eine vollständig vegane Ernährung eine Gefahr für deinen Körper. Iss vielleicht ab und zu ein wenig Leber, ein kleines bisschen Fleisch. Das würde dir helfen und dein Körper wird es dir danken.

TL;DR

Eine dauerhaft vegane Ernährung ist für die allermeisten Menschen langfristig ungesund, weil dadurch Mikronährstoffspeicher verarmen. Pflanzen können nicht alles liefern, was Fleisch liefert. Lass es lieber sein.