Teuflische Nahrungsergänzungsmittel - Erfahrungsbericht Ashwagandha

Niklas Fischer

Niklas Fischer

Coach & Mentor

Ashwagandha ist ein Adaptogen. Das heißt, es bringt den Körper dazu, mit Stressreaktion besser zurechtzukommen. Und wer in dieser modernen Welt kann nicht von sich sagen, ab und zu von Stress geplagt zu sein? Aufgrund der in vielzählig belegten Wirkung in Bezug auf Senkung von Stress und Müdigkeit sowie der Steigerung von Kraft und Testo-Werten durch einige wirklich gute Studien (hier, hier oder hier) habe ich das zum Anlass genommen, mir ein kleines Tütchen mit 250 g Ashwagandha zu bestellen (man will ja ausreichend Pulver für zukünftige Experimente haben).

Knopf auf Bestell-Webseite gedrückt, flupp, keine zwei Tage später ist das Päckchen mit der braun-gelben und süßlich riechenden Pulver da.

Dosierung#

Ashwagandha ist nach der Literatur ein sicheres Nahrungsergänzungsmittel. Selbst bei Dosierungen bis 1g pro Tag bei einer Einnahmedauer unter 12 Wochen zeigen sich wohl keine Nebenwirkungen. Mit meinem Gewicht von ca. 75 kg als männlicher Weißer unter 30 bis ich die entspreche ich perfekt der Vorstellung der Pharmaindustrie, was Dosierung von Medikamenten angeht. Also denke ich mir, dass ich mich doch an der Dosis der in den Studien verwendeten Menge von 600 bis 1000 mg pro Tag orientieren kann. Mangels meines Interesses am Drogenverkauf fehlt es in meiner Küchenausstattung an einer Feinwaage, weswegen ich mich wohl oder übel an Teelöffeln orientieren muss. Nach professioneller Recherche bei Dr. Duckduckgo beschließe ich, dass ein Viertel bis halber gestrichener Teelöffel ungefähr der vorhin genannten Dosis entspricht. Die nächsten Tage landet somit in etwa 0,5 bis ein Gramm Ashwagandha in Shakes oder Smoothies.

Akt 1: Der Aufstieg#

Am Anfang lief alles glatt. Meine Motivation steigerte sich, meine Libido ging durch die Decke (worüber sich meine Freundin nur am Anfang freute) und ich hatte das Gefühl, dass das reine Leben durch meine Adern pulsiert. Es war das Gefühl, dass sich der Körper genau SO anfühlen soll. Stark, schön und definitiv nicht an Selbstvertrauen mangelnd. Der Zustand hielt im Training an. Mehr Wiederholungen, höhere Intensität, mehr Training - alles easy peasy.

Dieser Zustand hielt in etwa 2 bis 3 Wochen an.

Akt 2: Vom Gipfel ins Tal#

Das hielt nicht lange an. Plötzlich war ich gestresst. So richtig gestresst. Und genervt. Du kamst mir blöd? Ich pampe dich an. Früher ist das nur passiert, wenn ich stark übermüdet war. Jetzt war es fast alltäglich. Die Gereiztheit hat sich langsam eingeschlichen und ich merkte es erst selbst, als von allem und jedem genervt war. Das kann eine Tasse sein, die nicht aufgeräumt wurde (was steht die auch so rum?) oder das vermaledeite Wetter (was regnet es auch?). Selbst im Bewusstsein dessen, dass ich darauf aus rationaler Perspektive augenscheinlich gar keinen Einfluss nehmen kann, hat sich nichts geändert. Es war, als ob man mit Feuer in der Nähe von Dynamit spielt. Und dieser Zustand wurde zunehmend intensiver. Eine Lösung musste her, denn weder mein Umfeld noch ich selbst haben ein Interesse daran, dauerhaft von mir Gereiztheit geplagt zu sein.

Es dauerte etwas, bis ich die Verbindung zum Ashwagandha herstellen konnte. Zuerst warf ich den Blick auf Schlaf und Licht, da ich weiß, dass mein Körper je nach Veränderung dieser Bereiche empfindlich reagieren kann. Doch daran lag es nicht. Schlaf hatte ich ausreichend, das Wetter schenkte mir genügend Sonne. Demnach lag es am Ashwagandha, dass ich erst seit kurzer Zeit testete.

Das erste Problem war denkbar schnell herausgefunden.

Problem 1: Dosis#

Leider hatte ich mich wohl mit der Dosierung vertan, denn ein Viertel bis halber Teelöffel scheint je nach Dichte des Stoffes eher 1 bis 2 Gramm sein. Ich wäre gut beraten gewesen, eine Feinwaage zu verwenden. Aber sei's drum, das ist eine Kleinigkeit. Also habe ich die Dosis gesenkt, nachdem ich eine Woche auf Ashwagandha verzichtet hatte. Jetzt gab es nur noch sehr wenig Ashwagandha alle 2 bis 3 Tage. Die Situation hat sich allerdings nur in der Woche verbessert, in der ich kein Ashwagandha nahm. Danach ging das gleiche Spiel nach kurzer Zeit von vorne los. Stress, Gereiztheit, das volle Paket.

Es musste folglich einen weiteren Aspekt geben, der nicht so naheliegend ist wie die Dosis.

Problem 2: Kaffee#

Obwohl Adaptogene wie Ashwagandha eigentlich die adaptogene Kapazität des Körpers erhöhen, wodurch Stress besser erträglich sein sollte, hatte es bei mir eine vollkommen andere Wirkung. Kaffee, was selbst ein Stressor ist, hat in Kombination mit Ashwagandha meinen gefühlten Stress enorm erhöht. Dadurch wurde ich langsam immer gereizter und mein gefühlter Testosteron-Spiegel ging ebenfalls durch die Decke. Doch nicht auf die gute Weise, bei der man das Gefühl hat, Bäume ausreißen zu können. Sondern auf die Ich-schlage-dir-gleich-ins-Gesicht-Weise.

Als ich den Kaffee wegließ, hat sich alles schnell normalisiert und das Ashwagandha macht, was es soll.

Akt 3:#

Da ich allerdings kein Interesse habe, dauerhaft auf Kaffee zu verzichten, hat sich meine Vorgehensweise etwas geändert. Nun nehme ich Ashwagandha nur noch schubweise, in geringer Dosis in Shake und Smoothie. Ab und zu mal darf es gern ein viertel Teelöffel sein. Kaffee trinke ich natürlich auch noch, nur nicht jeden Tag. Da die dauerhafte Einnahme von Ashwagandha sich bei mir nicht so verträgt, wie es die Literatur nahelegt, Theorie und Praxis sind eben nicht dasselbe und sollten nie verwechselt werden.

Be aware!#

In dieser nicht übertragbaren N=1-Studie hat sich wieder einmal gezeigt, dass man nicht immer so viel auf die Wissenschaft geben kann. Manchmal muss man auf seinen Körper hören, denn er weiß am besten, was für ihn gut ist. Manche Sachen haben eine teuflische Wirkung, abhängig von individuellen Lebensstil-Faktoren, die man nicht immer alle im Blick hat. Wer sein Körpergefühl genug trainiert hat, weiß schnell genug, wo die Stellschrauben sind und kann sich entsprechend verhalten.

Immer schön vorsichtig sein und gesund bleiben! 😉