Geld vs. Minimalismus - Ein unfairer Kampf

Jede Zeit bringt neue Trends mit sich. Fidget Spinner (wer erinnert sich noch daran?), Bubble Tea oder verr├╝ckte Challenges, bei denen Menschen sterben - wenn uns das Internet etwas gezeigt hat, dann, dass alles m├Âglich ist. Trends sind oft kurzlebig. Die M├╝llberge der Dinge, die nicht mehr angesagt sind, werden t├Ąglich gr├Â├čer. Vor allem die Vereinigten Staaten sind eine Konsum-Maschinerie, die jedes Jahr der Population neuartige Produkte vorsetzt, um Geld zu machen. Unternehmen werden von Jahr zu Jahr reicher, die Menschen darin jedoch nicht.

Einigen wird das irgendwann zu viel. Sie wollen kein Leben mehr f├╝hren, das von extern gesteuert ist und beginnen mit der Entr├╝mpelung. Also entsorgen sie unn├╝tze G├╝ter oder verschenken ihre Habseligkeiten. Am Ende der Reise bleibt sind viele am selben Ziel angelangt. ├ťbrig bleibt ein minimalistischer Lebensstil mit Dingen, die einen nur gl├╝cklich machen sollen.

Die Vorstellung von einem einfachen Leben ist alt

Seneca, einst reichster Mensch im alten Rom, war ein gnadenloser Verfechter der stoischen Philosophie. Die Stoa strebt den Zustand der inneren Ruhe und Weisheit an in einem Umfeld, das genauso von Chaos gepr├Ągt war wie moderne Zeiten. Seneca ├╝bte sich oft in der Vorstellung, was w├Ąre, wenn er alles verl├Âre.

Wer denkt, Seneca vereint einen Widerspruch aus gelebter Realit├Ąt und philosophischer Lehre, t├Ąuscht sich.

Seneca ist glaubw├╝rdiger als jeder mittellose Mann, der behauptet, das arme Leben angestrebt zu haben. Diese Person hat keine Wahl. Sie baut sich ein Gedankengeb├Ąude aufgrund der ausgesetzten Situation auf und nicht aus freiem Willen. Setzt man eine derartige Person mehr Geld aus, zeigt sich schnell die Realit├Ąt. War Frugalismus nur ein instabiles Produkt des Geistes, um sich selbst vor dem Gedanken zu sch├╝tzen, im Leben nichts erreichen zu k├Ânnen oder handelte es sich um eine Vorstellung, die weiterhin gelebt wird?

Optionen

Es gibt keine echte Wahl zwischen Geld und Minimalismus. Denn Geld f├╝hrt etwas in das Leben ein, das jedem fehlt, der nicht dar├╝ber verf├╝gt: Optionalit├Ąt.

Wer Geld hat, kann problemlos ein minimales und einfaches Leben f├╝hren. Er kann alles aus seinem Leben entfernen, was nicht gewollt ist oder belastet. Alles, was nur st├Ârt und nicht ben├Âtigt wird.

Oder man lebt in Saus und Braus, wenn das gew├╝nscht ist.

Der Punkt ist, dass man heute oder morgen entscheiden kann, etwas v├Âllig anderes zu tun als heute. Man kann das Geld nehmen und es in etwas stecken, was einem lieb und teuer ist. Man kann es auch in Las Vegas verprassen. Oder man setzt sich zur Ruhe.

Geld macht viele Probleme irrelevant, die einen vorher belastet haben. Derjenige mit den f├╝nf-, sechs-, gar siebenstelligen Ziffer auf dem Konto kann jederzeit tun und lassen, was er will. Leute mit Geld h├Ąngen nicht in ihrem Job fest oder in einer Situation, in der sie wenige M├Âglichkeiten haben. Die Entscheidung, wo man lebt und was man mit seinem Leben anstellt, wird einfacher als je zuvor.

Selbstverst├Ąndlich kann dies ein starker Geist auch ohne Geld erreichen.

Nichtsdestotrotz bleibt die Person glaubw├╝rdiger, die reich ist und gleichzeitig einfach lebt. Denn sie handelt auf freiwilliger Basis, aus eigenen St├╝cken.

Geld macht nicht gl├╝cklich, aber...

... die Grundbed├╝rfnisse des Leben sollten gedeckt sein.

Das l├Ąsst sich ohne Geld anstellen oder mit. Geld an sich hat nichts mit Minimalismus zu tun. Minimalismus ist eine Einstellung, ein Wert, der sich auch mit viel Geld auf dem Konto betreiben l├Ąsst.

Deshalb ist Geld gegen Minimalismus kein Kampf, sondern zwei paar Schuhe. Es geht miteinander, aber es muss nicht.