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Was es heißt, artgerecht zu leben

6:00 Uhr morgens. Wir hören in weiter Entfernung ein "Biep biep, biep biep". Langsam löst sich der Dickicht des Schlafs. Das Biepen wird lauter. Und lauter. Noch schlaftrunken klopfen wir beherzt auf den Wecker, damit dieses nervtötende GerĂ€usch aufhört. Den Rollladen machen wir hoch, aber an der Helligkeit im Raum Ă€ndert sich nichts Draußen ist es dunkel. Kein Wunder, es ist noch praktisch Nacht. Wir schlurpen zum Schrank, um die tĂ€gliche Arbeitskleidung anzuziehen. Ist das getan, geht es ein paar Meter weiter Richtung KĂŒche. Zum GlĂŒck sind wir gesegnet mit den modernen Wundern der Technik: Die Kaffeemaschine fĂŒllt nach nur einem Knopfdruck das braune Gold in Form des typischen Guten-Morgen-GetrĂ€nk des Deutschen in die Tasse. Denn ohne wĂŒrde sich unsere Schlafphase nur noch mehr in die LĂ€nge ziehen. Ein Schluck davon nehmen wir und schwupps, ab auf die Toilette. Das typische Ritual an jedem Arbeitstag, der so startet. Aufstehen, Kaffee, Klo. Nachdem wir alles gerichtet haben, was wir fĂŒr die Arbeit brauchen, mĂŒssen wir noch unseren Hintern in das Auto schwingen, das uns nach einer aufreibenden Fahrt durch den Arbeitsverkehr und nur 20 min Stau in die ach so geliebte Arbeit bringt, die tagein, tagaus immer gleich bleibt.

Dieselben Kollegen, dieselbe Körperhaltung, dieselben Aufgaben, dieselben Dramen und Problemchen. Nach denselben 8 Arbeitsstunden, die es jeden Tag sind, treten wir den Heimweg an, der sich wieder gleich gestaltet wie der Hinweg. Fahren, niemanden umbrettern, weil er sich nicht an die Verkehrsregeln hĂ€lt, nach Hause, auf die Couch. Das Abendessen ist dem morgentlichen Kaffee nicht unĂ€hnlich. Ein Knopf auf der Mikrowelle oder dem Backofen bedienen, warten, konsumieren. Vor dem Fernseher auf der Couch isst es sich auch viel schöner, als dem Partner ins Gesicht zu sehen und mit ihm ĂŒber die alltĂ€glichen Dinge zu reden, die eben so geschehen. Wenn wir noch motiviert sind, machen wir am Abend vielleicht etwas Schönes, beispielsweise fröhnen wir ein teures Hobby oder gehen mit Freunden aus - eben etwas, das uns von dem tristen Alltag ablenkt.

Was wie eine ĂŒberspitzte Darstellung eines typischen Werktags aussieht, ist nicht fernab der RealitĂ€t der meisten Menschen in Industriestaaten. Die Tage mögen nicht alle so aussehen, aber sie sind sich oft frappierend Ă€hnlich. Wir haben die Tendenz, immer dieselben Dinge zu tun, in derselben Weise, zur selben Zeit.

Geld vs. Minimalismus - Ein unfairer Kampf

Jede Zeit bringt neue Trends mit sich. Fidget Spinner (wer erinnert sich noch daran?), Bubble Tea oder verrĂŒckte Challenges, bei denen Menschen sterben - wenn uns das Internet etwas gezeigt hat, dann, dass alles möglich ist. Trends sind oft kurzlebig. Die MĂŒllberge der Dinge, die nicht mehr angesagt sind, werden tĂ€glich grĂ¶ĂŸer. Vor allem die Vereinigten Staaten sind eine Konsum-Maschinerie, die jedes Jahr der Population neuartige Produkte vorsetzt, um Geld zu machen. Unternehmen werden von Jahr zu Jahr reicher, die Menschen darin jedoch nicht.

Einigen wird das irgendwann zu viel. Sie wollen kein Leben mehr fĂŒhren, das von extern gesteuert ist und beginnen mit der EntrĂŒmpelung. Also entsorgen sie unnĂŒtze GĂŒter oder verschenken ihre Habseligkeiten. Am Ende der Reise bleibt sind viele am selben Ziel angelangt. Übrig bleibt ein minimalistischer Lebensstil mit Dingen, die einen nur glĂŒcklich machen sollen.