Arbeit

Fast jeder steht in seinem Leben vor der Wahl, einen Beruf auszuwählen, welcher das zukünftige Leben bestimmt. Welchen Beruf man wählen sollte, hängt neben den eigenen Fähigkeiten von unzähligen Faktoren ab. Ein paar grundlegende Details sind unten aufgeführt.

Kein Bullshit

Ein Bullshit-Job ist eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos, unnötig oder gefährlich ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann, obwohl er sich im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei dies nicht der Fall. - David Graeber, Bullshit Jobs

Faustregel

Bullshit-Jobs vermeiden.

In der heutigen Zeit, in welcher Dienstleister-Berufe den tatsächlich schwer arbeitenden und produktiven Menschen gewichen sind, hat sich eine Tätigkeit etabliert: Bullshit-Jobs. Berufe, die man nicht braucht, aber dennoch bezahlt werden. Zu unterscheiden sind:

  1. Lakaien: Sie werden mit kleinlichen Aufgaben betreut, die längst durch moderne Technik wegrationalisiert werden könnten oder nur den Chef gut dastehen lassen sollten. Beispiel: Lifttastendrücker in Hotels.
  2. Schläger: Manipulativ-aggressive Jobs, die nutzlose Tätigkeiten in die Welt posaunen und unehrliche Illusionen erzeugen. Beispiel: Marketing-Gurus.
  3. Flickschuster: Problemlöser, die Probleme lösen sollen, die es eigentlich nicht geben sollte. Beispiel: (Manche) Software-Entwickler.
  4. Kästchenankreuzer: Angstellte mit nur einer offensichtlich belanglosen Tätigkeit. Beispiel: (Viele) Bürokraten.
  5. Aufgabenverteiler: Unnötige Vorgesetzte, die Aufgaben verteilen, deren Verteilung nicht notwendig ist oder welche, die Bullshit-Aufgaben verteilen. Beispiel: Mittleres Management.

Würden wir all die Bullshit-Jobs entfernen oder automatisieren, würden wir da ankommen, wovon John Maynard Keynes 1930 geträumt hat, einer 15-Stunden-Arbeitswoche. Witzigerweise würde das dem Ideal unserer Vorfahren, der Jäger und Sammler, entsprechen. Sie arbeiteten tatsächlich nur 13 bis 18 Stunden die Woche. Deshalb sollten wir uns heute fragen, ob die 40 Stunden oder mehr überhaupt angebracht und nötig sind. Zudem scheint das hohe Arbeitsvolumen ein Faktor zu sein, der durch fehlende Bewegung, soziale Rituale und geprägt durch Sinnlosigkeit die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben in vielen Industriestaaten senkt.

Wer sich selbst in einem Job wiedergefunden hat, der dieser Beschreibung entspricht, sollte seinen Job kündigen und nach einem Job suchen, der Sinn in das eigene und das Leben von anderen Personen bringt.

Reputation

In Zeiten des Internets lässt sich kaum vermeiden, dass sich Rufschädigungen rasant ausbreiten. Davor ist niemand gefeit. Es ist nicht besonders schwierig, sich Feinde zu machen, die alles daran setzen, die eigene Reputation ins Bodenlose ziehen zu wollen. Das lässt sich regulieren, indem man sich gleich einen Beruf aussucht, der robust oder antifragil gegenüber Rufschädigungen ist.

Faustregel

Je unmöglicher man sich kleiden kann, desto unabhängiger ist der Beruf vom Ruf.
  • Fragil: Angestellte, Akademiker, Geistliche und Politiker sind stark vom eigenen Ruf abhängig. Man kann sich oft nicht erlauben, eine zum Beruf gegensätzliche Meinung kundzutun, ohne seinen eigenen Job zu riskieren. Wie viele Politiker hat es schon gekostet, weil sie in diverse Skandälchen verwickelt waren? Unzählige. Und von den Geistlichen, die sich gern ein bisschen Spaß im Leben gönnen wollen, werden wir erst gar nicht reden.
  • Robust: Robust gegenüber dem eigenen Ruf sind vor allem Mindestlohnempfänger. Einem Burgerbrater oder Briefträger kann es ziemlich egal sein, was andere über einen denken. Sie profitieren jedoch auch nicht von Rufschädigungen.
  • Antifragil: Künstler oder Schriftsteller können von fast jedem Skandal profitieren. Wessen Buch verboten wird, der profitiert mit hoher Wahrscheinlichkeit als Autor von gesteigerten Buchverkäufen. Ebenso verhält es sich mit schlechten Kritiken. Diese versprechen, dass das Buch zumindest nicht langweilig sein wird.

Finanzielle Abhängigkeit

Es hat mich immer irritiert, wenn Leute davon sprachen, dass ein Angestelltenberuf besonders sicher und anzustreben sei. Das Angestelltendasein mag einem das Gefühl von Sicherheit geben durch die stetig fließenden monatlichen Zahlungen, doch nichts hält ein Unternehmen davon ab, in Zeiten von Krisen oder nach Lust und Laune des Chefs deine Stelle beliebig zu streichen. Deswegen sollte man sich immer der Implikationen auf die finanzielle Abhängigkeit bewusst sein, wenn man einen Beruf wählt.

Faustregel

Fragile mit antifragilen Jobs kombinieren oder robuste Jobs machen.
  • Fragil: Angestellte sind stark vom Gehalt abhängig. Das bequeme Gefühl, monatlich ein Gehalt zu bekommen, macht uns fragil gegenüber dem Arbeitgeber, der uns darüber in Schach halten kann. Wer dann noch eine Familie und eine Hypothek auf das Familienheim hat, wird fragil gegenüber jeglichen finanziellen Engpässen, ausgelöst durch zufällige Ereignisse.
  • Robust: Finanziell robust sind vor allem Ärzte, Mindestlohnempfänger und Beamte. Ärzten wird niemals der Nachschub an Patienten ausgehen, während es immer Berufe für Mindestlohnempfänger geben wird. Diese Berufe unterliegen aber auch keiner hohen Volatilität, wodurch eine enorme Steigerung der Einnahmen ebenso schwierig sind wie ein starker Verlust oder eine Gefahr, den Job nicht mehr ausüben zu können.
  • Antifragil: Freiberufler, Handwerker und jeder mit einem Haufen frei verfügbaren Gelds ist finanziell antifragil. Diese Berufe sind nicht auf die Gunst Einzelner angewiesen, sondern können tun lassen, was sie wollen.

Weiterführende Literatur