Reizend, nicht wahr?

Die Umwelt hat in jeglicher Hinsicht einen riesigen Einfluss auf die menschliche Existenz. Sie liefert uns Information anhand von Stressoren wie:

Die Temperatur ver├Ąndert sich in den hiesigen Breitengraden zwischen -20 bis +40 Grad Celsius und der Mensch musste sich in seinem Leben so anpassen, dass er diese Temperaturver├Ąnderungen ├╝berstand. Auch Nahrung stand nicht immer zur Verf├╝gung. Bis Menschen erfolgreich in der Nahrungsmittelkonservierung waren, waren die F├Ąhigkeiten des Jagens und Sammelns von entscheidender Relevanz, da von ihnen das ├ťberleben von Individuen bis hin zum gesamten Stamm abh├Ąngig war. Tagelang konnte es sein, dass niemand etwas zum Essen mitbrachte. Insbesondere karge Wintermonate waren besonders schwierig, wenn Pflanzen unter Schnee und Eis bedeckt waren, w├Ąhrend die Temperatur weiter sank. Licht bestimmt auch in jeglicher Hinsicht das Leben der Menschen fr├╝her. Bis das Feuer gez├Ąhmt wurde, synchronisierte sich der K├Ârper mit dem Sonnenlicht und war diesem unweigerlich ausgesetzt. Mit aufsteigender Sonne begann der Tag, mit der Abendd├Ąmmerung ging er langsam zu Ende. Essen stand nicht permanent zur Verf├╝gung. Das Essen war da drau├čen und es musste beschafft werden. Ohne erfolgreiche Jagd oder langes Sammeln gab es nichts. Die Bewegung war dem Essensverzehr meist vorgeschaltet. Gleiches gilt f├╝r Unwetter und St├╝rme, Hagel, Blitz. Der Mensch war darauf angewiesen sich zu adaptieren. Viele Millionen Jahre der Evolution f├╝hrten dazu, dass unser K├Ârper mit diesen Widrigkeiten zurecht kam, sei es ├╝ber k├Ârperinterne Anpassungen, Geschick oder intelligentes Verhalten. Unser K├Ârper profitiert nicht nur von der Zuf├Ąlligkeit und Volatilit├Ąt der Natur. Wenn diese Stressoren wegfallen, fallen wir der Degeneration anheim. Wir werden schw├Ącher, k├Ânnen uns schlechter anpassen und sterben schlussendlich.

Dem K├Ârper ist es zwar f├Ąhig, in unnat├╝rlicher Umgebung zu leben. Aber es ist ein Kompromiss, der mit Krankheit oder Siechtum einhergeht.

Indigene V├Âlker leben in einer Welt der einfachen Harmonie, denn es ist die Welt, die K├Ârper und Geist erwarten, weil es auch die Umwelt ist, die sie geschaffen hat.

Konstante Reizzufuhr der Moderne

Wir hingegen leben unter konstanter Reizzufuhr. Nachts ist es unm├Âglich, sich in die Dunkelheit zu begeben und sich in den Weiten des Sternenhimmels zu verlieren. Die Helligkeit der Zivilisation, bedingt durch Stra├čenlaternen, Werbetafeln, LED-Autoscheinwerfern, immerw├Ąhrender B├╝robeleuchtung ÔÇô kurzum, des menschlichen ÔÇ×FortschrittsÔÇť ÔÇô verhindert, dass wir mehr als wenige vielleicht hundert Sterne erahnen k├Ânnen.

Dieses Licht bringt unsere internen Rhythmen durcheinander und sind auch f├╝r Tiere eine Belastung. Wor├╝ber sich vielleicht noch wenige Spinnen an ihren Netzen bei der hellen Stra├čenbeleuchtung erfreuen, wenn ein kleines Insekt in ihr Netz fliegt, ist f├╝r viele andere Kleinstlebewesen ein Stressfaktor und tr├Ągt zum Artensterben bei.

Auch die konstante L├Ąrm-Monotonie des Lebens ist mehr als nur ein ├ärgernis. In St├Ądten ist man Ger├Ąuschen quasi immer ausgesetzt. Tags├╝ber merkt man Menschen die Gesch├Ąftigkeit an. Stra├čen sind vollgestopft mit Fahrzeugen, in denen sich ├╝bergl├╝ckliche Menschen ihrem Weg zur sinnstiftenden Arbeit erfreuen, nachts spielt sich das Leben mehr in den H├Ąusern oder Wohnungen ab. Erfreulich, wenn man N├Ąchte erlebt, in denen der anonyme Nachbar ├╝ber einem nicht seine Frau anbr├╝llt oder die Anwohner nebenan sich eines erf├╝llten Sexlebens erfreuen. Wer Gl├╝ck hat, lebt auf einem augenscheinlich zur├╝ckgebliebenen Dorf, in dem der Strom erst angekommen zu sein scheint und das Internet nichtexistent ist. Sie sind eher frei von den T├╝cken der Dauerreizung geblieben. Daf├╝r darf man hingegen zwei Stunden zur Arbeit pendeln ÔÇô ein Preis, den nicht mehr viele freiwillig eingehen.

Selbst die Temperatur ist, insbesondere in ├╝berm├Ą├čig asphaltierten St├Ądten, zu einer Belastung verkommen. Im Sommer nehmen die Stra├čen so viel Hitze auf, dass man das Gef├╝hl hat, auf ihnen Eier braten zu k├Ânnen. Bewegt man sich hingegen etwas au├čerhalb der St├Ądte in den Wald, zieht sofort eine frische Brise ├╝ber die Schultern. Die Luft wird angenehm, statt stehend und stickig zu sein.