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Tabula Rasa

Alles hat ein Ende. Oder einen Anfang.

In den letzten Jahren habe ich hÀufig etwas Neues angefangen und kurze Zeit darauf wieder fallen lassen. Meistens ist nach wenigen Tagen bis Wochen Schluss. Meine Begeisterung hÀlt sich nicht, ich bin gelangweilt davon und wende mich den Dingen zu, die mir liegen und mich begeistern. Manche Dinge halten sich auch lÀnger. Wochen, Monate, gar Jahre.

Mit meiner Begeisterung fĂŒr das Schreiben habe ich eine besondere Verbindung. Ich bringe wirklich gerne meine Gedanken in Schriftform auf elektronisches Papier, aber ich schaffe es nicht, mich an den fertigen Rahmen eines Themas zu binden. Nichts scheint meine KreativitĂ€t mehr zu hindern, als mich den abgesteckten Grenzen eines Themengebiets im Klaren zu sein oder dem beschrĂ€nkten Umfang einer Wissensdarreichungsform. Ich fange ein Buch an und nach einigen Wochen intensiver Arbeit daran höre ich damit auf, weil ich die Recherche so sehr anstrengt, dass ich mich lieber dem ZĂ€hlen von Schafen widme, da selbst sie mir spannender vorkommen. Bringe ich den Inhalt in eine andere Form, beispielsweise die eines Blogs zu einem spezifischen Thema, kann man eine sichere Wette darauf abschließen, dass ich auch hier wieder aufhöre (jap, ist bereits geschehen). Mit diversen anderen Blogs und Inhalten hatte ich bereits dasselbe Problem.

Mein Gehirn scheint mir unterbewusst einen Riegel vorzuschieben, wenn ich mir selbst Grenzen setze. Seien diese Grenzen physischer oder psychischer Natur – zumeist sind sie Letzteres.

Ablenkung

Nun, mein Gehirn hat noch eine besondere FĂ€higkeit: Im Flow kann ich schreiben ohne Punkt und Komma, ohne Ende. Um diesen Zustand zu erreichen, musst der Geist rein sein. Man muss eins werden mit dem Text und Inhalt, dem geschriebenen Wort. Die ganze Welt fokussiert sich nur auf den einen Moment, in dem man Buchstaben fĂŒr Buchstaben einhĂ€mmert.

Die moderne Zeit kennt praktische Mittel, die einen davon abhalten, das zu tun, was man eigentlich will. All die kleinen Serotonin-Pusher namens Mitteilungen, Notifications. All die Antisocial-Networks, die Twitters und Facebooks und Chats und alles, was sonst existiert. Geben wir es zu: Keiner von uns kann damit gut umgehen. Wir sind darauf programmiert, auf genau so was zu achten und uns von ihnen ablenken zu lassen. Deshalb sind sie so erfolgreich.

Deshalb gilt ab sofort, wieder einmal, weil einer der grĂ¶ĂŸten Philosophen aller Zeiten recht hat:

It is not the daily increase but daily decrease. Hack away the unessential - Bruce Lee

Weg mit all den Benachrichtigungen. Weg mit Twitter und Mastodon. Weg mit Insta oder Pixelfed (es war ein sehr kurzer Tanz) Weg mit allem, was mich ablenkt.

Keine Counter mehr, die mir anzeigen, wie viele Likes, Freunde, Follower und Nachrichten ich habe. Keine Dark Patterns mehr (wie dieses unsĂ€gliche Infinite Scrolling), die einen bestens dazu bringen, noch mehr Zeit an einem Ort zu verschwenden, wo man eigentlich nicht sein möchte. Keine hundert emotionale Mini-Kicks mehr, die einen langfristig nicht glĂŒcklich machen. Sondern eine Besinnung auf das Wesentliche. Wie ein Tagebuch – statisch, ruhig, leer.

Es ist anders

Dieses Mal gibt es keine Agenda. Keinen Plan. Ich schreibe hier ĂŒber das, was mir wichtig scheint und mich bewegt. Was ich fĂŒr erwĂ€hnens- und teilenswert halte. Und wenn ich nicht in den Flow komme, lasse ich es gleich sein. Kein Zwang zu irgendwas. Es fĂŒhrt zu nichts und produziert nur gequirlte Scheiße.

Ein leeres Blatt

Zeit fĂŒr einen Neuanfang.